„Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns.“

Welche Rolle spielen zukünftig digitale Geschäftsmodelle, was schätzen Kund_innen am meisten und wie wichtig ist die Ladeinfrastruktur? Hildegard Wortmann, Mitglied des Vorstands der AUDI AG, Marketing und Vertrieb, im Interview.

Lesezeit: 3 min

Hildegard Wortmann, Mitglied des Vorstands der AUDI AG, Marketing und Vertrieb (2022)
Hildegard Wortmann, Mitglied des Vorstands der AUDI AG, Marketing und Vertrieb

Frau Wortmann, was war für den Bereich Vertrieb und Marketing die größte Herausforderung in den vergangenen zwölf Monaten und wie haben Sie diese gemeistert?

 

Das letzte Jahr hat uns gefordert, das steht außer Frage. Lange Zeit sah es richtig gut aus: Wir haben, gemessen an den Auslieferungen, das beste erste Halbjahr der Unternehmensgeschichte erzielt, und auch nach dem dritten Quartal lagen die Auslieferungen deutlich über dem Vorjahreswert. 

 

Leider hat dann die globale Halbleiterkrise unsere Branche besonders belastet und uns erneut vor Herausforderungen gestellt. Dennoch haben wir mit mehr als 1,68 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen annähernd das Vorjahresvolumen erreicht. In den USA und weiteren Kernmärkten haben wir das Vorjahresergebnis sogar übertroffen. Das zeigt: Wir sind ein starkes Audi Team, halten zusammen und sehen in jeder Herausforderung eine Chance. Wir haben Flexibilität bewiesen und mit vielfältigen Lösungen die Auswirkungen auf unsere Kund_innen so gering wie möglich gehalten. Die aktuellen Auftragsbestände und -eingänge zeigen, wie attraktiv unsere Marke und unsere Produkte sind. So blicken wir optimistisch nach vorn, denn für uns ist Zukunft eine Haltung.

Das Angebot an Elektroautos von Audi wächst kontinuierlich. Wie kommen die Modelle bei den Kund_innen an? Was schätzen sie am meisten? 

 

 

2021 stand ganz im Zeichen der Elektromobilität: Wir haben die Transformation mit einem starkem Jahr bei den vollelektrischen Fahrzeugen beschleunigt. Durch die konsequente Umsetzung unserer E-Roadmap konnten wir die Auslieferungen unserer vollelektrischen Fahrzeuge um 57,5 Prozent steigern. Diese hohe Nachfrage belohnt unseren Mut zu nachhaltiger Veränderung und bestätigt unsere frühzeitige Entscheidung für emissionsfreie Antriebe.

 

Allein im letzten Jahr haben wir die Zahl der vollelektrischen Modelle mehr als verdoppelt. Mit dem Audi e-tron GT haben wir die elektrische Speerspitze des Portfolios erfolgreich auf den Markt gebracht. Mit seinem herausragenden Design und seiner beeindruckenden Performance begeistert er Kund_innen sowie Fans der Marke gleichermaßen. Einen wichtigen Platz nehmen auch die Audi Q4 e-tron Modelle ein, die eine breite Zielgruppe ansprechen. Sie überzeugen mit einem großen Innenraum, hoher Alltagstauglichkeit und starker Lade- und Fahrperformance. Schon längst erfolgreich etabliert sind unsere ersten vollelektrischen Modelle Audi e-tron und Audi e-tron Sportback. Über 123.000 verkaufte Fahrzeuge seit der Markteinführung sprechen für sich. Dieses elektrische Portfolio bauen wir zukünftig weiter aus. 

 

Bis 2026 wird Audi mehr als 20 vollelektrische Modelle im Angebot haben. Und ab 2027 bieten wir unseren Kund_innen in allen Kernsegmenten E-Modelle an. Es ist mein Anspruch, dass wir Vorsprung leben. Für uns ist klar: Die Zukunft ist elektrisch!

Audi e-tron Sportback: Stromverbrauch (kombiniert*) in kWh/100 km: 24–20,9 (NEFZ) | 25,9–21,1 (WLTP)CO₂-Emissionen (kombiniert*) in g/km: 0
Angaben zu den Kraftstoff-/Stromverbräuchen und CO₂-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit von der gewählten Ausstattung des Fahrzeugs.

Audi e-tron GT quattro: Stromverbrauch (kombiniert*) in kWh/100 km: 19,6–18,8 (NEFZ) | 21,8–19,9 (WLTP)CO₂-Emissionen (kombiniert*) in g/km: 0
Angaben zu den Kraftstoff-/Stromverbräuchen und CO₂-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit von der gewählten Ausstattung des Fahrzeugs.

Audi e-tron Sportback: Stromverbrauch (kombiniert*) in kWh/100 km: 24–20,9 (NEFZ) | 25,9–21,1 (WLTP)CO₂-Emissionen (kombiniert*) in g/km: 0
Angaben zu den Kraftstoff-/Stromverbräuchen und CO₂-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit von der gewählten Ausstattung des Fahrzeugs.

Audi e-tron GT quattro: Stromverbrauch (kombiniert*) in kWh/100 km: 19,6–18,8 (NEFZ) | 21,8–19,9 (WLTP)CO₂-Emissionen (kombiniert*) in g/km: 0
Angaben zu den Kraftstoff-/Stromverbräuchen und CO₂-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit von der gewählten Ausstattung des Fahrzeugs.

Bei Elektromodellen ist neben dem Fahrzeug vor allem auch die Ladeinfrastruktur entscheidend. Was bietet Audi seinen Kund_innen in diesem Bereich? 

 

 

Wir müssen Mobilität über das Fahrzeug hinaus betrachten. Das Gesamtsystem muss die Kund_innen überzeugen, nicht nur die Produkte. Das individuelle Erlebnis ist entscheidend! 

 

Audi baut daher die Infrastruktur mit starken Partnerschaften und gemeinsam im Konzernverbund in Europa, Asien und Amerika aus. Mit dem Audi e-tron Charging Service stehen unseren Kund_innen beispielsweise bereits heute rund 320.000 Ladepunkte in 26 europäischen Ländern zur Verfügung. Und das mit nur einer Karte! 

 

Der Audi charging Hub in Nürnberg und zukünftig auch in Zürich ist der nächste Schritt. Das modular aufgebaute urbane Premiumladekonzept bietet High-Power-Charging und optional einen angeschlossenen Lounge-Bereich. So wird das Laden zum Premiumerlebnis. Und auch Europas größtes offenes High-Power-Charging-Netzwerk IONITY, bei dem wir Gründungsmitglied und Joint-Venture-Partner der ersten Stunde sind, investiert bis 2025 in über 5.000 zusätzliche Schnellladepunkte.

Wie verändert sich der Handel mit Autos und welche Rolle spielen zukünftig digitale Geschäftsmodelle? 

 

Die grundlegende Transformation der Automobilindustrie bringt auch viele Veränderungen im Vertrieb mit sich. Ganz zentral für unsere Strategie: Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns. Wir nennen das: Human Centricity. Aus meiner Sicht wird die Digitalisierung der gesamten Customer Journey zum wichtigsten Differenzierungsmerkmal. Ein ganzheitliches Kundenerlebnis, online wie auch offline, ist entscheidend. 

 

Kund_innen erwarten die nahtlose Verknüpfung aller Kontakt- und Informationskanäle. Dies kann nur dann funktionieren, wenn wir als Hersteller in die direkte Kundenbeziehung stärker einsteigen. Die ab 2023 geplante Einführung des Agenturvertriebs für unsere vollelektrischen Modelle in europäischen Märkten ist ein elementarer Baustein für die kundenzentrierte Ausrichtung unseres Vertriebsmodells. Damit bauen wir den direkten Kontakt zu unseren Kund_innen weiter aus, den wir bisher beispielsweise beim Direktgeschäft mit Functions on Demand bereits etabliert haben. Das Agenturgeschäft eröffnet uns insofern völlig neue Möglichkeiten bei der Gestaltung einer durchgehenden Customer Journey über alle Kontaktpunkte hinweg. Hierzu verzahnen wir unser leistungsfähiges Vertriebsnetz mit unseren digitalen Kommunikationskanälen. Das ist der nächste konsequente Schritt in eine elektrische und digitale Zukunft. Doch die Digitalisierung hat nicht nur Auswirkungen auf das Vertriebsmodell. 

 

Insbesondere das Ökosystem rund um das Auto wird zukünftig den Unterschied machen. Deswegen arbeiten wir an einem ganzheitlichen Ansatz für elektrische, automatisiert fahrende Autos. Dieser wird diverse Lebensbereiche unserer Kund_innen einschließen, die über die klassischen Mobilitätsanforderungen hinausgehen. So schaffen wir ganz neue Erfahrungen – vom Laden, Navigieren, Parken, Bezahlen bis hin zu zusätzlichen Services und Mobilitätsdiensten durch das automatisierte Fahren. 

Strategie „Vorsprung 2030“ – So gestaltet Audi die Zukunft

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Vorsprung durch Technik für die E-Ära

 

Die E-Mobilitäts-Offensive der Vier Ringe kommt genau zur richtigen Zeit. Klimafreundliche Mobilität gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ab 2027 bietet das Unternehmen in allen Kernsegmenten E-Modelle an. Diese Palette an Elektroautos wird sich vom Wettbewerb abgrenzen, mit einer speziellen Audi DNA und Vorsprung durch Technik in bestimmten Bereichen. Design, Sportlichkeit, Fahrkomfort und Qualität werden einen Unterschied machen. Ergänzend wird Audi seine Stärken in Verarbeitung, Color & Trim und Akustik gezielt ausspielen.

 

Ein klarer Plan für den letzten und gleichzeitig besten Verbrenner von Audi

 

Audi beschleunigt seinen Umstieg auf die Elektromobilität. Bereits 2026 bringen die Vier Ringe neue Modelle ausschließlich vollelektrisch auf den Weltmarkt. 2033 stellt Audi weltweit die Fertigung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ein. Eine Ausnahme könnte China werden, wo eine längere Produktion in Abhängigkeit von der lokalen Nachfrage untersucht wird. Die letzte Verbrennergeneration kommt mit einem Versprechen: Sie wird die beste sein, die Audi je auf den Markt bringen wird. Diese frühzeitig klar formulierte Antriebsstrategie gibt Planungssicherheit und hilft, Zukunftsinvestitionen gezielt und effizient zu leiten. Begleitet wird dieser technologische Wandel vom größten Transformationsprozess in der Geschichte von Audi. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der erfolgreichen Qualifizierung und Weiterentwicklung betroffener Mitarbeiter_innen.

 

ESG-Performance als Basis für eine bessere Zukunft

 

Audi produziert schon heute seine Fahrzeuge an mehreren Standorten bilanziell CO2-neutral1. Nun rückt das Unternehmen Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus noch stärker in den Fokus, von der Ressourcengewinnung über den Betrieb des Fahrzeugs bis zur Wiederverwendung der eingesetzten Materialien. Zukünftig soll ESG (Environment – Social – Governance oder übersetzt: Umwelt – Gesellschaft – Unternehmensführung) in allen Unternehmensentscheidungen, Produkten und Dienstleistungen von Audi eine wichtige Rolle spielen. Kriterien für ESG sind vor allem der Klimaschutz, der Umgang mit endlichen Ressourcen, mit der Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden sowie die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Verantwortung. Weiter zählt, wie robust die Audi Unternehmenssteuerung zum Beispiel beim Compliance- und Risikomanagement aufgestellt ist. In all diesen Themen lässt sich Audi auch extern bewerten und unterzieht sich 2022 einem international anerkannten ESG-Rating. 

 

Holistisches Ökosystem stellt die User in den Mittelpunkt und schafft bedeutsame und ­faszinierende Erlebnisse

 

Audi will die progressive Premiummobilität von morgen noch attraktiver gestalten. Dabei stehen neben dem Fahrzeug zukünftig das holistische Kundenerlebnis und die Integrationsfähigkeit in das Leben der Nutzer_innen im Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund setzt sich Audi intensiv mit den Bedürfnissen der User auseinander. Sie erwarten von Audi faszinierende und bedeutsame Erlebnisse sowie ganzheitliche Lösungen, die sich nahtlos über sämtliche Bereiche ihres Alltags erstrecken. Das Ökosystem für elektrische und perspektivisch auch automatisiert fahrende Autos spielt eine zentrale Rolle in der Transformation und wird ein wesentlicher Schlüssel zur Kundenzufriedenheit und somit zu langfristigen, persönlichen Kundenbeziehungen. Ein elementarer Baustein des Ökosystems ist das Thema „Laden“, das mit Lademöglichkeiten an der heimischen Wallbox, einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur mit europaweiten Ladepunkten oder mit intelligenter Routenplanung bereits heute erfolgreich umgesetzt wurde. Für den weiteren Ausbau des Ökosystems wird insbesondere das automatisierte Fahren zum Gamechanger. So entstehen eine Vielzahl zusätzlicher Anwendungsfälle, die die Nutzung des Fahrzeugs fundamental verändern werden. Es wird zum persönlichen Experience Device und ist mal Büro, Kino, Ort zur Entspannung und mal ein Raum für Shopping und Gaming. Das Audi Ökosystem fokussiert konsequent auf die User und verbindet das Fahrzeug mit einem breiten Angebot an Services, die alle Lebensbereiche betreffen – online sowie offline. Dadurch entsteht ein ganzheitliches Erlebnis über sämtliche Kontaktpunkte mit der Marke Audi hinweg, das sich nahtlos in das Leben der Nutzer_innen einfügt.

 

Intelligente Hardware: In Zukunft sind Teile komplett vernetzt und zunehmend aus nachhaltigen Materialien

 

Mit intelligenter Hardware können Kund_innen ihre Autos zukünftig immer wieder upgraden. So bleiben die Audi Modelle über ihren gesamten Lebenszyklus attraktiv. Dafür möchte Audi seinen Kund_innen zukünftig Teile mit einem intelligenten Informationssystem anbieten, die proaktiv um Erneuerung bitten, falls ein Verschleiß oder Defekt entdeckt wird. Die technische Grundlage dafür bietet die Vernetzung der Fahrzeuge mit einem ausgeklügelten Zusammenspiel von Algorithmen und Sensoren. Zusätzlich wird Audi Bauteile zur Stärkung einer Kreislaufwirtschaft auf Premiumniveau wiederaufbereiten. Nachhaltige Materialien und eine ressourcenschonende Produktion stehen dabei im Fokus. Alle diese Maßnahmen sollen zukünftig auch die Restwerte der Modelle positiv beeinflussen. Gleichzeitig erweitert Audi damit das Angebot im After-Sales-Sektor und will so zusätzliche Umsätze in diesem profitablen Geschäftsfeld erwirtschaften. 

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