„Wir können in unserer Lieferkette eine Menge bewegen.“

Welche Auswirkungen hatte die Halbleiterkrise auf Audi, welche Priorität hat Datensicherheit und wie sichert Audi hohe Standards für Umwelt und Gesellschaft? Dirk Große-Loheide, Mitglied des Vorstands der AUDI AG, Beschaffung und IT, im Interview.

Lesezeit: 3 min

Dirk Große-Loheide, Mitglied des Vorstands der AUDI AG, Beschaffung und IT (2022)
Dirk Große-Loheide, Mitglied des Vorstands der AUDI AG, Beschaffung und IT

Das branchenweite Topthema „Halbleiterkrise“ hat in den letzten Monaten die gesamte Automobilindustrie in Atem gehalten. Wie viele schlaflose Nächte hat Ihnen das Thema bereitet?

 

Ich muss zugeben, die Halbleiterknappheit hat mich in den letzten Monaten ziemlich auf Trab gehalten, schlafen konnte ich jedoch immer ganz gut. Wir haben es hierbei mit einem strukturellen Problem zu tun. Das macht die Situation umso herausfordernder. Die Autoindustrie spürt derzeit die Auswirkungen einer deutlichen Unterversorgung an Halbleitern, die unter anderem durch die Allokation von Chips in Richtung Telekommunikation und Unterhaltungselektronik im Zuge der Coronapandemie bedingt ist. Des Weiteren verschärften auch pandemiebedingte Fabrikschließungen bei wichtigen Herstellern die Situation. Wir setzen gemeinsam mit den anderen Marken im Konzernverbund alles daran, die Folgen dieses Versorgungsengpasses bestmöglich abzumildern. 

Die Lieferkette von heutigen Fahrzeugen ist sehr lang und global verzweigt. Wie sichert Audi hohe Standards für Umwelt und Gesellschaft?

 

Wir arbeiten mit mehr als 14.000 Zulieferfirmen aus mehr als 60 Ländern zusammen. Auf alle diese Akteur_innen haben wir einen Einfluss – und sie wiederum auf uns. Darin liegt eine riesige Chance. Wir können in unserer Lieferkette eine Menge bewegen. Unsere Anforderungen an unsere Geschäftspartner_innen sind im Code of Conduct festgeschrieben. Umweltschutz, Menschen- und Arbeitsrechte, Transparenz und Fairness sind darin verankert.

 

Wir setzen uns hohe Standards und arbeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette an der Einhaltung dieser Werte. Als Instrument steht uns beispielsweise das Sustainability-Rating zur Verfügung, mit dem wir alle Geschäftspartner_innen auf die Einhaltung von Sozial-, Umwelt- und Compliance-Standards bewerten. Dessen positives Ergebnis ist Voraussetzung für eine Auftragsvergabe. Zudem optimieren wir ständig unsere Managementsysteme und setzen auf eine künstliche Intelligenz, die frei zugängliche Online-Medien und Social Media auf bestimmte Schlagworte untersucht und uns bei Treffern zu Themen wie Umweltverschmutzung, Menschenrechtsverstöße und Korruption in der Lieferkette benachrichtigt. 

Ob im Unternehmen oder auf der Straße: Digitalisierung ist das Stichwort der Stunde. Wie sorgt Audi für sichere IT-Strukturen in Fahrzeugen und Services?

 

Datensicherheit hat höchste Priorität. Das gilt für sämtliche IT-Lösungen. Wir nehmen mögliche Datenpannen ernst und arbeiten intensiv an Vorsorgemaßnahmen. Ob Kunden-, Fahrzeug- oder Produktionsdaten: Wir legen Wert darauf, höchste Sicherheitsstandards zu erfüllen. Daher entwickeln wir unsere Sicherheitssysteme kontinuierlich weiter, um Angriffe auf unsere IT bestmöglich zu vermeiden, frühzeitig zu erkennen und deren Folgen so gering wie möglich zu halten. 

Audi plant, seinen Absatz an Fahrzeugen in den kommenden Jahren weiter zu steigern. Das heißt, Sie brauchen deutlich mehr Teile und Rohstoffe von Märkten, die heute schon angespannt sind. Wie werden Sie diese Herausforderung angehen?

 

Inmitten der Transformation zur Elektromobilität stehen ganz klar Ressourcen für Batterien sowie erneuerbare Energien im Fokus. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Rohstoffmärkte volatiler geworden sind. Daher setzen wir auf langfristige, strategische Partnerschaften, um Preisstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Technologisch stellen wir uns breit auf und setzen auf Konzernplattformen. Indem wir unsere Bedarfe über mehrere Marken hinweg bündeln, stärken wir unsere Einkaufsposition. Dabei legen wir großen Wert darauf, zu welchen Bedingungen wir Rohstoffe beziehen. Auch hier gibt der Code of Conduct den Rahmen vor. Obendrein ist der Volkswagen Konzern in mehreren Initiativen wie beispielsweise der Global Battery Alliance vertreten, um sich für einheitliche Standards etwa bei Menschenrechten in der Lieferkette einzusetzen.

Kann auch Circular Economy in Zeiten knapper Rohstoffe eine Lösung sein?

 

Unser Ziel ist es, möglichst viele Materialien in Kreisläufen zu führen, wo sich das ökologisch und ökonomisch sinnvoll umsetzen lässt. Vorrangig geht es darum, alle Teile und Materialien, die wir wiederaufbereiten, auch in Originalqualität zu erhalten. Erst so schaffen wir resiliente Lieferketten und ermöglichen signifikante Einsparungen in unserem Primärmaterialbedarf. Seit 2017 führen wir an verschiedenen Standorten beispielsweise Aluminium in einem geschlossenen Materialkreislauf. 2021 wurden wir dafür als erster Automobilhersteller mit dem „Chain of Custody“-Zertifikat der Aluminium Stewardship Initiative ausgezeichnet.

 

Es ist vermutlich nicht überraschend, dass wir bei der Kreislaufwirtschaft vor allem auch die Batterierohstoffe im Auge haben. Im Volkswagen Konzern schließen wir strategische Partnerschaften, um die komplette Wertschöpfungskette für Batterien abzudecken. Das reicht von der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung über die Entwicklung eigener Batteriezellen wie der Volkswagen Einheitszelle bis zur Steuerung der zukünftig entstehenden europäischen Gigafabriken. Auch neue Geschäftsmodelle rund um die Weiterverwendung ausgedienter Fahrzeugbatterien bis hin zum Recycling der wertvollen Rohstoffe werden zum Aufgabenbereich gehören. Wir wollen unseren Kund_innen leistungsstarke, preiswerte und nachhaltige Fahrzeugbatterien bieten.

Die neue Unternehmensstrategie sieht „Intelligente Hardware“ als ein zukünftiges Geschäftsmodell von Audi. Was verbirgt sich dahinter und welche Auswirkungen hat das auf Ihren Bereich?

 

Vereinfacht gesagt ist das ein Service, mit dem wir durch den Einsatz vernetzter Bauteile mehr Funktionen in unsere Autos bringen. Mithilfe dieser intelligenten Hardware werden wir beispielsweise unsere Kund_innen frühzeitig informieren können, wenn ein Teil ausgetauscht werden muss. Mittelfristig sind auch personalisierte Angebote für Upgrades bestimmter Bauteile denkbar. Beim Auf- und Ausbau dieser intelligenten Hardware arbeiten wir mit unseren Geschäftspartner_innen und Zulieferunternehmen zusammen, daher kann die Beschaffung viel bewirken. Auch zur Nachhaltigkeit unserer Produkte wird dieses Feld der Strategie beitragen. Wir bauen zum Beispiel ein umfangreiches Portfolio sogenannter Sustainable Parts auf, etwa mit der Aufbereitung von gebrauchten Ersatzteilen.

Strategie „Vorsprung 2030“ – So gestaltet Audi die Zukunft

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Strategie „Vorsprung 2030“ – So gestaltet Audi die Zukunft

Vorsprung durch Technik für die E-Ära

 

Die E-Mobilitäts-Offensive der Vier Ringe kommt genau zur richtigen Zeit. Klimafreundliche Mobilität gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ab 2027 bietet das Unternehmen in allen Kernsegmenten E-Modelle an. Diese Palette an Elektroautos wird sich vom Wettbewerb abgrenzen, mit einer speziellen Audi DNA und Vorsprung durch Technik in bestimmten Bereichen. Design, Sportlichkeit, Fahrkomfort und Qualität werden einen Unterschied machen. Ergänzend wird Audi seine Stärken in Verarbeitung, Color & Trim und Akustik gezielt ausspielen.

 

Ein klarer Plan für den letzten und gleichzeitig besten Verbrenner von Audi

 

Audi beschleunigt seinen Umstieg auf die Elektromobilität. Bereits 2026 bringen die Vier Ringe neue Modelle ausschließlich vollelektrisch auf den Weltmarkt. 2033 stellt Audi weltweit die Fertigung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ein. Eine Ausnahme könnte China werden, wo eine längere Produktion in Abhängigkeit von der lokalen Nachfrage untersucht wird. Die letzte Verbrennergeneration kommt mit einem Versprechen: Sie wird die beste sein, die Audi je auf den Markt bringen wird. Diese frühzeitig klar formulierte Antriebsstrategie gibt Planungssicherheit und hilft, Zukunftsinvestitionen gezielt und effizient zu leiten. Begleitet wird dieser technologische Wandel vom größten Transformationsprozess in der Geschichte von Audi. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der erfolgreichen Qualifizierung und Weiterentwicklung betroffener Mitarbeiter_innen.

 

ESG-Performance als Basis für eine bessere Zukunft

 

Audi produziert schon heute seine Fahrzeuge an mehreren Standorten bilanziell CO2-neutral1. Nun rückt das Unternehmen Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus noch stärker in den Fokus, von der Ressourcengewinnung über den Betrieb des Fahrzeugs bis zur Wiederverwendung der eingesetzten Materialien. Zukünftig soll ESG (Environment – Social – Governance oder übersetzt: Umwelt – Gesellschaft – Unternehmensführung) in allen Unternehmensentscheidungen, Produkten und Dienstleistungen von Audi eine wichtige Rolle spielen. Kriterien für ESG sind vor allem der Klimaschutz, der Umgang mit endlichen Ressourcen, mit der Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden sowie die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Verantwortung. Weiter zählt, wie robust die Audi Unternehmenssteuerung zum Beispiel beim Compliance- und Risikomanagement aufgestellt ist. In all diesen Themen lässt sich Audi auch extern bewerten und unterzieht sich 2022 einem international anerkannten ESG-Rating. 

 

Holistisches Ökosystem stellt die User in den Mittelpunkt und schafft bedeutsame und ­faszinierende Erlebnisse

 

Audi will die progressive Premiummobilität von morgen noch attraktiver gestalten. Dabei stehen neben dem Fahrzeug zukünftig das holistische Kundenerlebnis und die Integrationsfähigkeit in das Leben der Nutzer_innen im Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund setzt sich Audi intensiv mit den Bedürfnissen der User auseinander. Sie erwarten von Audi faszinierende und bedeutsame Erlebnisse sowie ganzheitliche Lösungen, die sich nahtlos über sämtliche Bereiche ihres Alltags erstrecken. Das Ökosystem für elektrische und perspektivisch auch automatisiert fahrende Autos spielt eine zentrale Rolle in der Transformation und wird ein wesentlicher Schlüssel zur Kundenzufriedenheit und somit zu langfristigen, persönlichen Kundenbeziehungen. Ein elementarer Baustein des Ökosystems ist das Thema „Laden“, das mit Lademöglichkeiten an der heimischen Wallbox, einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur mit europaweiten Ladepunkten oder mit intelligenter Routenplanung bereits heute erfolgreich umgesetzt wurde. Für den weiteren Ausbau des Ökosystems wird insbesondere das automatisierte Fahren zum Gamechanger. So entstehen eine Vielzahl zusätzlicher Anwendungsfälle, die die Nutzung des Fahrzeugs fundamental verändern werden. Es wird zum persönlichen Experience Device und ist mal Büro, Kino, Ort zur Entspannung und mal ein Raum für Shopping und Gaming. Das Audi Ökosystem fokussiert konsequent auf die User und verbindet das Fahrzeug mit einem breiten Angebot an Services, die alle Lebensbereiche betreffen – online sowie offline. Dadurch entsteht ein ganzheitliches Erlebnis über sämtliche Kontaktpunkte mit der Marke Audi hinweg, das sich nahtlos in das Leben der Nutzer_innen einfügt.

 

Intelligente Hardware: In Zukunft sind Teile komplett vernetzt und zunehmend aus nachhaltigen Materialien

 

Mit intelligenter Hardware können Kund_innen ihre Autos zukünftig immer wieder upgraden. So bleiben die Audi Modelle über ihren gesamten Lebenszyklus attraktiv. Dafür möchte Audi seinen Kund_innen zukünftig Teile mit einem intelligenten Informationssystem anbieten, die proaktiv um Erneuerung bitten, falls ein Verschleiß oder Defekt entdeckt wird. Die technische Grundlage dafür bietet die Vernetzung der Fahrzeuge mit einem ausgeklügelten Zusammenspiel von Algorithmen und Sensoren. Zusätzlich wird Audi Bauteile zur Stärkung einer Kreislaufwirtschaft auf Premiumniveau wiederaufbereiten. Nachhaltige Materialien und eine ressourcenschonende Produktion stehen dabei im Fokus. Alle diese Maßnahmen sollen zukünftig auch die Restwerte der Modelle positiv beeinflussen. Gleichzeitig erweitert Audi damit das Angebot im After-Sales-Sektor und will so zusätzliche Umsätze in diesem profitablen Geschäftsfeld erwirtschaften. 

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