„Ein Ort maximaler Agilität und mutigen Unternehmergeistes“

Analysieren, kreieren, testen und validieren, um neues Business-Potenzial zu entdecken. Die Audi Denkwerkstatt in Berlin befasst sich als Corporate Innovation Unit mit der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle, die sich voll und ganz auf konkrete Kundenbedürfnisse fokussieren.

Interview: Jan Strahl Fotografie: Alexander Hero ― Illustration: AUDI AG Lesezeit: 6 min

Zu sehen ist ein Schaubild, das die Vernetzung der Audi Denkwerkstatt verdeutlicht.

Audi Mitarbeiter_innen, die während ihrer Zeit vor Ort in interdisziplinären Teams als Intrapreneur_innen zusammenarbeiten, bekommen dabei tiefe Einblicke in agile Arbeitsmethoden und in das Start-up-Ökosystem Berlins. Sie integrieren die schlanken Arbeitsprozesse der Digitalszene in ihren Alltag, verlassen ihre Komfortzone und sprinten mit einem progressiven Mindset zu neuen Produktideen. Was mit einer scheinbar einfachen Fragestellung und einer großen Vision beginnt, kann nach einem intensiven Innovationsprozess mit einem konkreten Geschäftsmodell enden. Tim Miksche hat im Herbst vergangenen Jahres die Leitung der Audi Denkwerkstatt übernommen und berichtet im Interview über Leitgedanken, Ziele und die konkreten Projekte des Digilabs.

In Zeiten zunehmender Digitalisierung und Globalisierung bringen derzeit viele Start-ups disruptive Geschäftsmodelle hervor, die etablierte, mächtige Konzerne verdrängen. Sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft befinden sich dadurch in einem rasanten Wandel. Wie kann ein Unternehmen wie Audi sich diesen Herausforderungen stellen?
Tim Miksche:
Wir brauchen neue Orte der Inspiration und Kreation. Ein solcher Ort ist die Audi Denkwerkstatt. Hier leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Innovationskultur von Audi. Wir treiben den Wandel vom klassischen Automobilhersteller zum ganzheitlichen Mobilitätsdienstleister voran, indem wir einen Ort maximaler Agilität, mutigen Unternehmergeistes und inhaltlicher Freiräume bieten. Unser Ziel ist es, Geschäftspotenziale im Kontext von Mobilität zu erkennen, digitale Lösungen zu entwickeln und letztlich konkrete Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt zu bringen. Dabei setzen wir in unserem Innovationsprozess auf hundertprozentige Kundenorientierung – vom ersten Tag an. Hier in Berlin lassen sich im Lebensumfeld unserer stark vernetzten Kund_innen ideal deren Mobilitäts- und Alltagsbedürfnisse evaluieren und neue Lösungsansätze erproben. Die Audi Mitarbeitenden, die für eine Weile als sogenannte Intrapreneur_innen in der Audi Denkwerkstatt an diesen Lösungen arbeiten, lernen dabei, mittels agiler Arbeitsmethoden valide Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zur Stärkung ihrer unternehmerischen Kompetenzen tauchen sie tief in das Berliner Start-up-Ökosystem ein, vernetzen sich mit wichtigen Akteur_innen wie beispielsweise Gründer_innen und sammeln bei Netzwerkevents vielseitige Impulse.

Die Infografik zeigt die Arbeitsweise der Audi Denkwerkstatt.
Die Audi Denkwerkstatt nähert sich mit drei Kernfragen dem sogenannten „Sweet Spot“ der Problemlösung an.

Die Audi Denkwerkstatt hat sich in den letzten Jahren unter den Top-Innovationseinheiten deutscher Unternehmen etabliert und ständig weiterentwickelt. Was treibt das Team an?
Wir sehen uns als Schnellboot von Audi, das durch seine agile Umsetzungskraft und seinen starken Kundenfokus auf aktuelle Entwicklungen im digitalen Ökosystem reagiert und neue Geschäftspotenziale realisieren kann. Unser Team hat vielseitiges Know-how und eine extrem hohe intrinsische Motivation. Die vielen Impulse des Start-up-Ökosystems sind für uns dabei eine wichtige Komponente. Als fester Teil der Tech-Community pflegen wir unser Netzwerk, holen uns Expertise und teilen unser Know-how. Der offene und kreative Austausch inspiriert uns, weiter nach neuen Ideen zu suchen und somit zu einer erfolgreichen Zukunft der Marke Audi beizutragen.

Wie funktionieren das Konzept und der Arbeitsmodus der Audi Denkwerkstatt?
Die Intrapreneur_innen, die meist für ein halbes Jahr zu uns kommen, haben bereits einen internen Bewerbungsprozess durchlaufen. Offenheit für Neues und die Bereitschaft zur Veränderung sind dabei wichtige Auswahlkriterien. Uns ist es wichtig, dass wir interdisziplinäre Teams aus verschiedenen Fachrichtungen bilden, da dadurch mehr Innovationskraft entsteht. Zu Beginn des Programms gibt das Kernteam der Denkwerkstatt, die sogenannten Residents, Leitfragen vor. Dabei stellen wir ein zuvor identifiziertes Kund_innenbedürfnis in den Mittelpunkt. Betrachten wir beispielsweise die zentrale Zielgruppe der Millennials: Bei ihnen stellen wir ein vermehrtes Verlangen fest, aus alltäglichen Routinen auszubrechen und neue Erfahrungen zu sammeln. Wir nennen dieses Phänomen „Eskapismus“. Es stellt eine treibende Kraft bei der Lebensgestaltung dieser Zielgruppe dar. In der Denkwerkstatt fragen wir uns dann: Wie könnten wir als Audi diesen Wunsch der Millennials nach Eskapismus erfüllen?

Das klingt noch sehr theoretisch. Wie kommt man denn von dieser Ausgangsfrage zu einer Produktidee?
Es gilt, das gesamte Gedankengerüst der Zielgruppe zu erkunden und deren persönliche Treiber zu identifizieren. Was genau steckt eigentlich hinter diesem Bedürfnis? In einem iterativen Design-Thinking-Prozess treffen wir daraus Ableitungen für Produkte, die dieses Bedürfnis optimal erfüllen. In wöchentlichen Sprints erarbeiten die Teams dann Lösungsbausteine und setzen diese zu einem Produktkonzept zusammen. Ziel ist es, nach nur zehn Wochen eine konkrete Produktidee präsentieren zu können. Diese Idee wird dann einer Jury vorgestellt, die sich ebenfalls interdisziplinär zusammensetzt. Sie besteht aus Audi Mitarbeiter_innen und externen Expert_innen wie beispielsweise Venture Buildern und Business Angels. Entscheidet die Jury, dass aus der Idee ein tragfähiges und nachhaltiges Geschäftsmodell entstehen kann, geht es mit diesem Ziel weiter zum nächsten Meilenstein. Dort müssen dann nach 22 Wochen die Validierung des Produkts durch Kundenbefragungen und Tests sowie ein erster Businessplan vorgestellt werden.

Zu sehen ist ein Porträtfoto von Tim Miksche.

Tim Miksche

Tim Miksche ist Leiter der Audi Denkwerkstatt, Ideation und Incubation Hub des deutschen Automobilherstellers für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle mit Sitz in Berlin. Nach vier Jahren Arbeitserfahrung im Ausland kehrte er zu Audi zurück. In dieser Zeit unterstützte er im aufstrebenden japanischen Start-up-Ökosystem in Tokio internationale Gründer_innen beim Ausbau ihrer Geschäftspotenziale und war außerdem Repräsentant des Bundesverbands Deutsche Startups (BVDS) für Japan. Davor sammelte Tim bei der AUDI AG 18 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen Marketing, Vertrieb sowie Design, Innovationsmanagement und Digitalisierung. Als erfahrener Redner, Mentor und Juror gewann er den renommierten internationalen Pitch-Wettbewerb auf der Slush Tokyo 2018.

Die Audi Denkwerkstatt hat weder Produktionsmaschinen noch ist sie eine reine Softwareschmiede. Wie wird es am Ende möglich, aus einer Idee tatsächlich ein Produkt werden zu lassen?
Es gibt unterschiedliche Wege für die konkrete unternehmerische Umsetzung: Entweder kooperieren wir mit einem Fachbereich unserer Kernorganisation, in dem das Produkt umgesetzt werden kann. In dem Fall wird es ein Audi Produkt oder der Bestandteil eines Produktes von Audi. Oder aber es erscheint sinnvoller, das Geschäftsmodell als eigenständiges Unternehmen auszugründen. Dann helfen wir dabei, ein eigenes Start-up zu etablieren, um die Geschäftsidee zu verwirklichen.

Mit welchen Themenfeldern beschäftigen sich die Teams aktuell?
Ein Team hat sich mit der Frage befasst, wie wir unseren Kund_innen helfen können, ihren individuellen CO₂-Fußabdruck zu erkennen und zu reduzieren. Wir betrachten dabei die Mobilität ganzheitlich und berücksichtigen alle genutzten Verkehrsmittel. Unsere selbst entwickelte App errechnet einen persönlichen Mobilitätsscore, motiviert zu nachhaltiger Mobilität und bietet für unvermeidbare Emissionen konkrete Kompensationsprojekte an. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Möglichkeit von individuellen Erlebnissen im Kontext von Mobilität und widmet sich der entsprechenden Planung von Autoreisen. Wie lässt sich eine Route von A nach B für unsere Kund_innen optimal und attraktiv gestalten? Können sie auf dem Weg etwas unternehmen oder besichtigen, das ihrem Interessenprofil und Lifestyle entspricht? Die Antwort gibt eine App zur personalisierten Routengestaltung.

Die Grafik zeigt mit diversen Symbolen, wie eine App dem Nutzer Mobilitätsdienstleistungen zur Verfügung stellt.
Die Audi Denkwerkstatt betrachtet die Mobilität als Ganzes. Die Vision ist es, dass jede_r nach seinen Bedürfnissen das Beste aus Raum und Zeit machen kann.

Nach 18 Jahren bei Audi hast du in den vergangenen vier Jahren außerhalb des Konzerns in Tokio gearbeitet. Dort hast du als Unternehmer junge Start-ups unterstützt. Das klingt nach den besten Voraussetzungen für die Position, die dich jetzt wieder zurück zu Audi gebracht hat.
Ja, das stimmt schon. Ich habe in Japan Gründer_innen und Start-ups geholfen, ihre Ideen zur Marktreife zu entwickeln und Kooperationen mit Konzernkunden zu realisieren. Diese Erfahrungen an der Schnittstelle von Corporate- und Start-up-Ökosystem sind eine wichtige Basis, um zwischen diesen beiden Unternehmenskulturen zu vermitteln. Unsere Innovationseinheit ist der perfekte Ort, um meine Kenntnisse aus nahezu 20 Jahren bei Audi und mehreren Jahren als Start-up-Mentor und Ecosystem-Builder produktiv zusammenzufügen. Audi bringt als Unternehmen eine Besonderheit mit, die mich schon immer gereizt hat und mich auch nicht loslässt: Ich bin damals von der Universität zu Audi gegangen, weil mich die innovativen Produkte und die Position der Marke als Herausforderer anderer, etablierter Automobilhersteller begeistert haben. Dieser Anspruch von Progressivität, Zukunftsglaube und Veränderungswille treibt mich weiterhin an.

Hast du abschließend einen persönlichen Tipp für Gründer_innen?
Es ist sehr schwer, Gründer_innen aus der Distanz einen Rat zu geben. Natürlich steht und fällt alles mit der guten Geschäftsidee und dem unternehmerischen Mut, der aus meiner Sicht weder gecoacht noch gelernt werden kann. Aber es gibt diese Momente, in denen du spürst, dass etwas passieren muss. Dann solltest du loslaufen. Wenn du eine Vision hast, diese starke intrinsische Motivation spürst, etwas zu verändern und aufzubauen, dann solltest du dich darauf einlassen und den Mut haben, dein Start-up zu gründen. Und eines sollte man nicht vergessen: Wer ein Unternehmen aufbauen will, ist immer auf Hilfe angewiesen. Deshalb ist es so wichtig rauszugehen, sich zu vernetzen, über die eigenen Ideen zu sprechen, Fragen zu stellen und zuzulassen, um Antworten zu finden. Nur so kannst du dich entwickeln, und es können große Ideen heranwachsen.

Das Schaubild zeigt die Vernetzung und den Austausch zwischen Personen und Personengruppen.
Die Vernetzung und der Ideenaustausch mit anderen Innovator_innen, Visionär_innen und Entrepreneur_innen ist für die Innovationseinheit besonders wichtig.

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